Jacob Appelbaum, einer der wenigen Vertrauten Edward Snowdens, hat Dokumente über bisher geheime NSA-Programme veröffentlicht. Die Unterlagen belegen, dass der US-Geheimdienst in so gut wie jedes private Endgerät eindringen kann – quasi durch die Hintertür.

„Wir haben den Krieg verloren. Wir leben jetzt in der dunklen Welt der Scifi-Romane, die wir niemals wollten“, bereits vor acht Jahren warnte der ehemalige Sprecher des Chaos Computer Clubs Frank Rieger vor einer großflächigen Überwachung des Internets. „Wir leben in einem Polizeistaat“, erklärte Rieger damals. Pünktlich zum diesjährigen Hackertreffen, dem Chaos Communication Congress, lieferte Jacob Appelbaum, ein Internetaktivist und enger Vertrauter Edward Snowdens, den Beweis, dass Rieger mit seiner Aussage gar nicht falsch lag.

Laut einem Bericht in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Der Spiegel“ kann die NSA-Hackergruppe TAO (Office of Tailored Access Operations) nämlich so gut wie jedes elektronische Gerät infiltrieren.

Quantum: Gehackte Smartphones und PCs

Zur Spionage dient der NSA laut Bericht eine präparierte Netzwerk-Technik namens Quantum, die den Datenverkehr der Zielpersonen abfängt und unauffällig mit Ausspäh-Software infiziert. Der NSA-Programmcode öffnet quasi eine Hintertür, die der Geheimdienst nach Belieben zu Spionagezwecken nutzen kann.

Doch auch die Endgeräte selbst können als trojanisches Pferd dienen. Dazu werden Smartphones, PCs , Notebooks & Co. mit Einbau-Modulen der NSA bestückt – und so quasi ab Werk mit der Spionagesoftware versandt. Zu der betroffenen Hardware gehören Geräte von namhaften Herstellern wie Samsung, Dell, Cisco, Huawei, Maxtor, Seagate und Western Digital. Die meisten in dem Bericht genannten Hersteller haben inzwischen beteuert, dass ihnen derartige Aktivitäten durch die NSA unbekannt sind. Der IT-Riese Cisco erklärte in einem Blogeintrag, dass der Bericht durchaus ernst genommen wird und weitere Informationen eingeholt werden.

30 Dollar für einen ausspähbaren Monitor

Zugriff auf die, teilweise privaten, Geräte erhält TAO laut des Spiegel-Berichts durch die Sonderabteilung ANT. In einem Katalog listet die NSA auf, welche Ausspäh-Techniken zur Verfügung stehen, um die verschiedenen Geräte anzuzapfen. Ein entsprechend manipuliertes Monitor-Kabel kostet demzufolge 30 Dollar.

Julian Assange: „Tretet in die CIA ein“

Während die NSA ihre Fäden offenbar noch enger spinnt, ruft die Hacker-Szene zum Widerstand gegen die Überwachung auf. Auf dem30. Chaos Communication Congress suchte man Lösungen. Schließlich „werde der Kampf um die Freiheit des Internets vor allem auf dem Schlachtfeld der Technologie geführt“ erklärte Journalist Glenn Greenwald, der an der Veranstaltung via Videokonferenz teilnahm.

Gewohnt radikal zeigte sich Julian Assange, der ebenfalls perVideoübertragung zu Wort kam: „Tretet der CIA bei“, forderte derWikileaks-Gründer, der das Spionage-System von innen heraus zerschlagen möchte. Hacker sollen sich deshalb von Geheimdiensten wie der NSA und Firmen rekrutieren lassen, um an Informationen zu gelangen – und sie anschließend wie Eduard Snowden öffentlich machen.